Forschungszentrum
HOF | MUSIK | STADT
Brüche und Kontinuitäten im Musikleben um 1800
2021 wurde das Forschungszentrum Hof | Musik | Stadt als Kooperation der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim sowie des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Heidelberg und unterstützt von der Stadt Schwetzingen gegründet. Das in Schwetzingen angesiedelte Forschungszentrum widmet sich der Lehre, Öffentlichkeitsarbeit und Musikvermittlung, der Forschung und Edition sowie der Projektplanung und Antragstellung.
Vom ausgehenden Mittelalter bis 1918 war der Hof ein wichtiger Träger des Musiklebens im südwestdeutschen Raum. In den Grenzen des Landes Baden-Württemberg finden sich zahlreiche Residenzen unterschiedlicher Größe, an denen nicht nur das moderne Orchester als Klangkörper entstand, sondern sich auch die Entwicklung der Hofmusik vom Mittel der fürstlichen Repräsentation und höfischer Unterhaltung hin zum Stadt- und Staatsorchester mit Bildungsauftrag vollzog. Obgleich in den vergangenen Jahrzehnten verdienstvolle Forschungsarbeit zur südwestdeutschen Hofmusik geleistet wurde, verbleiben Desiderata, insbesondere an der Schnittstelle von Hof und Stadt. Bislang geht die Forschung mehr oder weniger von separaten Ereignisfeldern von Musik am Hofe oder Musik in einer bürgerlichen Stadt aus, die – gebunden an ein durch die Aufklärungsforschung initiiertes Fortschrittsnarrativ – zwingend aufeinander folgten. Dass dem keineswegs so ist, sondern höfische und bürgerlich/städtische Musikkultur schon immer miteinander in Beziehung standen und sich Aspekte der Hofmusikkultur auch nach dem zunehmenden Bedeutungsverlust des Hofes oder auch nach einem Residenzverlust ebenso fortlebten, wie die bürgerliche Musikkultur der Hofmusik zahlreiche Strukturen (Konzert, Oper), oder auch die Entwicklung zentraler Gattungen (Streichquartett, Sinfonie, »Kammermusik«) verdankt, gehört in seinen Dynamiken zu den bisher weitgehend unerforschten Gebieten um 1800.
Neben der Forschung ist der Konnex zur musikalischen Praxis und Öffentlichkeit überhaupt essentiell für das Forschungszentrum. Zu seinen Aufgaben gehören daher ebenso die Beratung von Musikern und Ensembles, wie der Verleih von Aufführungsmaterial. Hauptamtlicher Mitarbeiter des Forschungszentrums ist Dr. Rüdiger Thomsen-Fürst, die Leitung hat Prof. Dr. Panja Mücke (Mannheim) inne.



